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Heidelberg Ethnology is a peer-reviewed Occasional Paper Series devoted to the publication of new and innovative research in socio-cultural anthropology [more...].

 
 
 
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Cultural Anthropology in Heidelberg

Ethnologie (ehemals Völkerkunde) ist eine beschreibende, theoretisch orientierte und vergleichende Kultur- und Sozialwissenschaft, deren Forschungsziel es ist, dynamische kulturelle und gesellschaftliche Prozesse, Sinnstiftungen und Handlungskontexte vor allem aus der Sicht der Akteure verstehend nachzuvollziehen. Anders als häufig angenommen beschäftigt sich die Ethnologie mit gegenwärtigen Erscheinungen, wenngleich für deren Verständnis nicht selten Kenntnisse über den geschichtlichen Werdegang unerlässlich sind.
 
Der Gegenstandsbereich der Ethnologie hat sich seit deren Anfängen als eigene Wissenschaft im 18. Jahrhundert zunehmend erweitert. Wurden im Zeitalter des Kolonialismus zunächst außereuropäische, „schriftlose“ und nicht-staatenbildende Gesellschaften untersucht, erstreckt sich das Forschungsfeld der Ethnologie mittlerweile auf sämtliche kollektive Formen menschlicher Lebensbewältigung, -führung und -gestaltung (auch in [post-]industriellen und urbanen Gesellschaften). Heute sieht die Ethnologie sich insbesondere hinsichtlich Theorie- und Methodenfindung herausgefordert und engagiert sich besonders stark in der empirisch fundierten Untersuchung von Themen- und Problembereichen der Gegenwart, wie zum Beispiel Migration, Urbanisierung, Globalisierung, Medien und transkulturelle Beziehungen.
 
Im Unterschied zu anderen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die sich auf ganz bestimmte Felder von Gesellschaft und Kultur konzentrieren, wie z. B. die Politikwissenschaften, die Wirtschaftswissenschaften und die Psychologie, ist die Ethnologie ganzheitlich ausgerichtet, das heißt sie richtet ihren Blick auf komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Teilbereichen kultureller Dynamik und sozialer Praxis (Holismus). In der Vergangenheit wurde die holistische Methode auf einzelne Kulturen angewendet, doch wird dem interkulturellen Vergleich und der Untersuchung transkultureller Prozesse inzwischen eine besondere Bedeutung beigemessen.
 
Methodisch zeichnet sich das Fach durch langfristige Feldforschungen vor Ort aus, die mit einer Teilnahme am Alltagsleben der zu untersuchenden Gesellschaft einhergeht (teilnehmende Beobachtung). Weil die Menschen heutzutage überall viel mobiler sind (zum Beispiel Migranten, Flüchtlinge oder Angestellte transnationaler Unternehmen), müssen EthnologInnen zunehmend multilokal arbeiten („multi-sited ethnography“). EthnologInnen bedienen sich sowohl hermeneutischer (deutend-verstehender) als auch analytischer (erklärend-begründender) Theorien und Methoden. Eine besondere Stärke der Ethnologie ist die intensive Selbstreflexion über Begriffe, Theorien und Methoden, die ihr eine (selbst-)kritische Sicht auf die Produktion von Wissen und Macht, Kultur und Gesellschaft ermöglicht.
 
Ein grundsätzliches Thema der Ethnologie ist das spannungsgeladene, dialektische Verhältnis zwischen ‚Selbst‘ und ‚Fremdem‘, das Verstehen (nicht mit Identifikation zu verwechseln) des Anderen und die Verständigung mit ihm sowie, sich in ihm spiegelnd, das emphatische Verstehen und Relativieren der eigenen Existenz und Lebensweise. Dies macht die gesellschaftspolitische Relevanz des Faches aus, die von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit im Zuge der neuen Globalisierung zunehmend erkannt wird. Heute sind EthnologInnen wichtiger denn je, können sie doch als kompetente ‚Übersetzer‘ zwischen scheinbar verschiedenen kulturellen und ethnischen Entitäten fungieren, Konflikte und Bruchstellen besser ‚lesen‘ helfen.
 
Neben klassischen Arbeitsfeldern wie Museum oder Universität arbeiten EthnologInnen in internationalen und nicht-staatlichen Organisationen, in der Entwicklungszusammenarbeit, im Tourismus, in der interkulturellen Bildung, in den Medien oder im sozialen Bereich, um nur einige Tätigkeitsfelder zu nennen.

 

Seitenbearbeiter: Webmaster
Letzte Änderung: 2016-12-08
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